Ann Cooper ist leidenschaftlich – aber versteckt sich hinter Zahlen
Jamie Oliver's TED Prize wish: Teach every child about food | Video on TED.com
Es ist beeindruckend, wie scharf Jamie Oliver die aktuelle Nahrungs-Situation in Amerika anspricht und dennoch (oder auch gerade deswegen) volle Unterstützung durch das Publikum erfährt.
Die Rede ist klassisch aufgebaut und beinhaltet alle Elemente, die dramaturgisch interessant und beeindruckend sind, und die das Publikum bewegen.
Ann Cooper talks school lunches | Video on TED.com
Als Gegenstück dazu dasselbe Thema in einem Vortrag, der deutlich schlechter strukturiert und dramaturgisch nicht besonders interessant gestaltet ist.
Was sind die großen Unterschiede?
In aller Kürze:
1. Der Anfang. Oliver macht das Thema menschlich. Er zeigt uns Fotos und Schicksale. Cooper redet zwar über die Situation, aber es bleibt eher theoretisch und in den Zahlen. Apropos Zahlen:
2. Statistiken: Cooper erwähnt die Zahlen (zB 70% des Antibiotika-Verbrauches ist bei der Nahrungsmittelindustrie), doch Oliver bewegt mit den Zahlen – er vergleicht zB die Tode an Übergewicht mit den Toden an Gewaltverbrechen.
3. Zeigen statt sagen: Oliver kommt mit einer Schubkarre voll Zucker auf die Bühne. Cooper erzählt zwar, wie groß der Haufen der konsumierten Pestizide ist, aber sie zeigt es nicht.
4. Folien: Oliver verwendet Bilder und Statistiken auf den Folien, um das Gesagte visuell zu verdeutlichen. Cooper verwendet Folien, die eigentlich genau dasselbe sagen wie sie selbst (abgesehen davon, daß die Folien überladen sind und schlecht lesbar).
5. das Publikum involvieren: Oliver interagiert mit dem Publikum und wendet Statistiken auf die Anwesenden Menschen an. Cooper trägt mit erhobenem Zeigefinger internationale Bevölkerungs-Statistiken vor.
Fazit: 2 Personen, die leidenschaftlich und engagiert ein und dasselbe Anliegen in demselben Forum vertreten. Beide sind Küchenchefs. Der eine involviert das Publikum und kommt zu einem klaren Punkt. Die andere arbeitet mit einer Menge Zahlen und Fakten, hat keine gute Dramaturgie und bleibt insgesamt theoretischer und distanzierter.
Das Ergebnis: Olivers Vortrag wurde in einem Jahr 1,5 Mio mal angesehen und erhielt fast 1.000 Kommentare und einen Preis. Coopers Vortrag wurde in 3 Jahren 198.000 mal angesehen und erhielt 139 Kommentare – auf derselben Webseite (ted.com).
p.s. Mark Bittman hat einen Tag nach Ann Cooper über dasselbe Thema (bei derselben TED-Konferenz) gesprochen. Auch keine wirklich starke Präsentation, aber deutlich professioneller als Cooper.
Mark Bittman on what's wrong with what we eat | Video on TED.com
Sein Ergebnis in drei Jahren: 673.000 Views und 300 Kommentare – das 3-fache von Cooper. Man sieht, je besser die Präsentation, desto stärker der Impuls beim Publikum.

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